Selbstversuch

Selbstversuche:  Nachhaltiger leben – (wie) kann das denn gehen?

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Ernährung:

Dienstag, 16. Mai, 18.30 Uhr – 21.30 Uhr

Sonntag, 28. Mai, 10-17 Uhr

Dienstag, 27. Juni, 18.30 – 20.30 Uhr

 

Mobilität:

Samstag, 22. Juli, 10-17 Uhr

Dienstag, 28. September, 18.30 – 21 Uhr

 

Energie:

Dienstag, 17. Oktober, 18.30 – 21 Uhr

Samstag, 18. November (Zeit wird noch bekannt gegeben)

 

Ort: Cafete (Salomon-Idler-Str. 14, 1. Stock)

 

Selbstversuch

Evangelische Gedanken zur Fastenzeit – Teil 7

Allermeistens lösen sich Probleme von alleine. Diese Einsicht habe ich als studentische Hilfskraft schmerzhaft gelernt. Ich bin ein Mensch, der mit 80 % Einsatz 100 % Leistung bringen will. Das ist nicht klug, denn (so sagt es die Theorie) mit 20 % Einsatz erreicht man meinst 80 % des gewünschten Ergebnisses. Wer aber nur 20 % seiner Arbeit verrichtet, und dann den Rest seiner Kraft in seine eigentlichen Interessen steckt, der tut sich selbst einen großen Gefallen. Ich mache das nicht, denn ich bin ich.

Die Frage, wie es im Sommersemester mit unserem Experiment weitergeht, hat sich jetzt allerdings von ganz alleine geklärt, denn die Umweltstation will mit uns in der ESG einen Selbstversuch starten. Dabei geht es nicht um die Cafete, obwohl die natürlich auch Nebenwirkungen abbekommen wird. Am 3.5. geht es los mit einem Infoabend zum Thema „Nachhaltig leben“. Es gibt Infos und Pizza, aber nicht weitersagen…

Nach dem Infoabend wird es ca. 14-tägige Treffen geben, um sich gegenseitig anzufeuern und Erfahrungen auszutauschen. Vielleicht schaffen wir es sogar, ein paar zugrundeliegende Theorien und Forschungen zum Thema Nachhaltigkeit kennen zu lernen.

Natürlich ist diese Aktion offen für Menschen allen und keinen Glaubens. Wir wollen ja die ganze Welt retten. Ich persönlich mache es aus der protestantischen Grundhaltung, dass Umweltschutz eben Verzicht bedeutet – und zwar nicht nur in der sogenannten Fastenzeit, sondern immer. Damit rette ich nicht meine Seele – die ist schon gerettet. Ich rette lediglich mich selbst im banalen Alltag und eben die Welt. Es ist nicht eine Laune, die vom Zeitgeist gekitzelt worden ist, sondern ich mache es aus der christlichen Verantwortung für die Schöpfung, deren Teil ich bin. Das ist meine persönliche Motivation – andere mögen andere Beweggründe für ihre Entscheidungen haben.

Nach wie vor bin ich nicht bereit, mir Zahnpasta selbst anzurühren. Nur könnte es durchaus sein, dass das Leben durch gezielten Verzicht besser wird. Das will ich nicht verpassen.

Mehr Infos zum Selbstversuch hier

Weil ich es will…

Evangelische Gedanken zur Fastenzeit – Teil 6

Zum Schuss muss man sagen: die Sache mit der Müllreduktion hat uns nicht geschadet. Manche im Team konnten sie ignorieren, indem sie das Einkaufen anderen überlassen haben. Ich finde es wichtig, dass eine gewisse Freiwilligkeit herrscht. Nichts ist schlimmer, als andere, die mir mit erhobenem Zeigefinger sagen, was ich tun und lassen soll. Ich bin ein Freiheitsmensch.

Martin Luther schrieb mal: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Dieser Satz war kein Streitgespräch zwischen Luther und seinem holden Weibe, sondern macht Sinn, wenn man ihn folgendermaßen ergänzt:

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan IM GLAUBEN. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan IN DER LIEBE.“

Weil ich niemandem etwas schuldig bin, kann mir auch niemand vorschreiben, was ich essen soll, ob und welches Auto ich fahren soll etc. Aber weil ich ein Fünkchen Liebe habe, bei mir ist es ein Gemisch aus Gottes- und Menschenliebe, kann ich eben aus Liebe und Achtung auch mal zurückstecken.

Die Sache mit dem Müll hat uns übrigens im Studentencafe auf ganzer Linie genützt. Wir machen zwar keinen Profit mit unserem Mittagstisch, aber das Geschäft lief so gut wie noch nie in 25 Jahren. Es war ja nicht nur Essen, das wir gekocht und ausgegeben haben. Es war eben mehr… Essen ist gut, aber eine Vision braucht der Mensch eben auch.

Darüber hinaus haben wir von der Riesenmülltonne auf eine kleine Otto-normal-Mülltonne umgerüstet. Es wird sich zeigen, ob die auf Dauer reicht. Wir machen natürlich weiter mit der Müllreduktion.

Jetzt ist noch die Frage, wie es weiter geht. Vielleicht schaffen wir es, einen Veggie-Tag einzuführen; oder wir versuchen es mal, ein Semester lang nur Essen auf Rädern anzubieten (also nichts, was herangeflogen ist – außer Gänse). Wer will, kann gerne vorbei kommen, und sich die Sache ansehen: Montags bis Donnerstags, 11.30-14.30 Uhr in der Salmon-Idler-Str. 14 im 1. Stock. Es geht am 24. April weiter.

Essen & Müll

Evangelische Gedanken zur Fastenzeit – Teil 5

Kurz vor Semesterende bekomme ich die Frage gestellt: „Wie viel Essen schmeißt ihr eigentlich weg jeden Tag?“. Ich antworte: „Natürlich keines“, und ernte baffes Staunen. Studenten sind eben hungrig. Obwohl wir die Hygieneregeln strikt einhalten, landet bei uns kaum etwas im Müll.

Eine Art, Müll zu vermeiden, wäre es also, auf Ebay zu inserieren nach „hungrigen Studierenden“. Wer kaum Essen in den Müll schmeißt, der muss auch weniger an Abfallgebühren bezahlen. Ganz egal, ob man ein Gutmensch ist, oder nicht, Müllreduzierung zahlt sich aus.

Es diverse Netzwerke wie nebenan.de oder foodsharing. Die größte Herausforderung ist, dass man sich vor „Abfall“ nicht grausen muss. Wenn vor Ort, an der Quelle der Produktion aufgegessen wird, dann ist das optimal. Alles andere ist etwas umständlich.

Ich war schockiert, als ich mitbekommen habe, wie viel an Essensresten in Einrichtungen wie z.B. Kindergärten täglich weggeschmissen wird. Die Erzieherinnen dürfen sich noch nicht mal die Reste mit nach hause nehmen. Allerstrengstens verboten!

Vor fünf Jahren hätte mich das nicht weiter bewegt. In Deutschland ist das Essen günstig und im weltweiten Vergleich das Bruttosozialprodukt recht hoch. Natürlich kann einem auch hierzulande das Geld ausgehen, aber teuer ist Essen nicht. Bei Lidl gibt es momentan 10 Eier für 1,19 Euro. Das ist den Hühnern gegenüber, die sich die Eier aus dem Leib gequetscht haben, einfach nicht fair. Weil Nahrungsmittel also nicht teuer sind, kann es leicht passieren, dass sie einem auch nicht so viel wert sind.

Deshalb rate ich, beim nächsten Urlaub in Großbritannien so zu essen, wie große Teile der einheimischen Bevölkerung es auch tun: eine Tasse Tee mit Milch und Zucker zum Frühstück; Mittags so etwas wie Pommes mit Käse und Chilisoße, alternativ ein Sandwich und dazu Chips oder auch einen Becher Suppe und Abends dann eine Delikatesse wie Cheesy Beans (das sind baked beans aufgewärmt mit Käse eingerührt) mit Toast. Grund dafür, sich so oder ähnlich zu ernähren sind in dem angeblich westlichen Land horrende Preise fürs Essen. Wenn wir dort im Urlaub sind, können wir es uns leisten. Wer aber in Großbritannien zur Miete wohnt, und 100 Pfund pro Woche für ein Zimmer bezahlt (das ist kein Typo!), der hat nicht mehr viel Geld für Essen übrig. Sogenannte „Food Boxes“ sind dort Gang und Gäbe. Man bekommt sie vom Sozialarbeiter. Die ganze Insel ist mit einem Netz von „Food Banks“ überzogen.

Ich habe viereinhalb Jahre lang in Großbritannien gelebt. Mir ging es gut, weil ich ein ordentliches Einkommen hatte. Wenn man aber nicht komplett verstockt ist, dann bekommt man mit, wie die sogenannte „Working Class“ lebt.

Deshalb werfe ich kein Essen mehr weg. In erster Linie heißt das: planen, wie viel man braucht und vielleicht nachkochen. Es soll ja jeder satt werden und immer gleich das Essen kühlen oder einfrieren, damit es morgen aufgegessen werden kann.

Es ist schon wirklich traurig, wenn man Essen wegwerfen muss, weil es schlecht geworden ist. Es ist noch trauriger, zu erleben, wie das Essen knapp wird. Dabei ist es vor allem eine intellektuelle Leistung, wie man das alles vermeidet.

In Deutschland muss man sich lediglich einen Moment Zeit nehmen und über Essensreste nachdenken. Ich bin sehr für Regeln, denn auch ich hatte schon einmal eine Lebensmittelvergiftung. Ich dachte, ich müsste sterben, während ich mich wie ein Regenbogen zwischen Toilette und Waschbecken ausgespannt hatte. Regeln sind gut. Sie sind aber keine Entschuldigung dafür, nicht zu Ende zu denken. Ich werde mich jedenfalls auch weiterhin mit foodsharing beschäftigen, die Esser zu den Essensresten bringen, wenn das Essen nicht zu den Essern gebracht werden kann und Möglichkeiten der Inserierung zu z.B. Ernten bei Fremden ausloten. Denn anstatt den Apfelbaum, den man nicht mehr abernten kann, zu fällen, stellen viele eine Annonce auf Ebay und laden zum Ernten und Mitnehmen ein. So einfach ist das – im Grund werden wir ja von der Natur mit Essen beworfen.

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Evangelische Gedanken zur Fastenzeit – Teil 4

In der Zero-Waste Bewegung gibt es keine Patentlösung. Man kann sich Deo selbst kochen etc. oder wenigstens Flüssigseife selbst anmischen, aber soweit wollten wir nicht gehen. Es ging ganz einfach um praktikable Lösungen dabei, wenn man jeden Tag 40 Portionen Essen kocht, den Müll, der dabei anfällt möglichst gering zu halten und wenn möglich zu vermeiden. Zu Ökoaposteln wollten wir aber nicht werden. Die Sache war als Experiment gedacht, das man fortsetzen kann.

Weil ich aus einer Großfamilie komme, bin ich es gewohnt, Mahlzeiten immer im größeren Stil zu planen. Meine ehemalige Landgemeinde fand das angenehm, denn wenn jemand hungrig bei mir aufschlug, hatte ich immer etwas da. Mehr zu kochen heißt auch, ab und an, mehr übrig zu haben. Wenn man das in einen Essenkreislauf einspeisen kann, ist das natürlich optimal. Ich dachte mir: Hühner sind ja sozusagen lebendige Schnellkompostierer.

Meine drei Hennen wurden also bald von einem Hahn liebend beschützt. Er machte sich sogar die Mühe, sie jeden Morgen um 3:30 Uhr zu wecken. Die dummen Viecher müssen sehr träge gewesen sein, denn meine Nachbarn berichteten mir bald, dass mein Gockel zwischen 3:30 Uhr und 7 Uhr ohne Unterbrechung seine wunderschöne Stimme erschallen lies. Jetzt ist er im Himmel.

Die restlichen drei Damen haben sich in ihrem verbleibenden kurzen Hühnerleben wacker geschlagen. Sie waren nicht nur sehr schöne Dekoration im Garten, zuverlässige Esser und haben jeden Tag ein Ei gelegt; sie haben sich auch im Singen versucht – sozusagen als Tenösen. Ich kann nur jedem die Hühnerhaltung empfehlen, nicht nur zur Resteverwertung, sondern auch zur Lebensverbesserung. Leider geht so etwas nicht in einer Stadt. Mittlerweile weiß ich, wer meiner Studierenden immer Hunger hat – aber Eier legen sie nicht im Gegenzug.

Wer mehr kocht muss auch mehr einkaufen, bzw. wer viel kocht kauft eben große Mengen ein. Das ist wunderbar, denn Abfall lässt sich ganz einfach durch Groß- bzw. Nachfüllpackungen deutlich reduzieren. Besagter Großhandel, dessen Namen ich nicht nennen will, ist in dieser Hinsicht sehr hilfreich, auch wenn größere Packungen nicht unbedingt günstigere Preise bedeuten. Unser Ziel war die Müllreduzierung, weshalb diese Art einzukaufen trotzdem die zielführendere ist.

In besagtem Großmarkt muss man übrigens höllisch aufpassen. Es gibt alles in einer teureren und in einer günstigen Ausführung. Bücken, um ans untere Regal zu kommen, und rechnen (falls nötig mit dem Rechner auf dem Handy) lohnt sich, sonst gibt es an der Kasse das böse Erwachen.

Nach drei Monaten des ständigen Versuchs und Spähens danach, wie man Abfall vermeiden kann, muss ich gestehen, dass ich doch zum Moralapostel geworden bin. Das habe ich beim Kaffeetrinken in der Kirchenzentrale Deutschlands, sozusagen dem evangelischen Kirchenpapstamt bemerkt. Dort angekommen gab es Kaffee. Der war gut. Dazu gab es auch Milch. Aber!!! Die kam aus minikleinen vermutlich 3 ml beinhaltenden Plastik-Alu-Dingern. In Schottland, einer der Müllhöllen dieser Welt, in der manche ihren alten Kühlschrank einfach in den Wald schmeißen, sind diese Mini-Milch-Dinger das Normalste der Welt (jedes B&B hat sie). Ich war erbost, als ich sie wieder in Deutschland gefunden habe und habe meinem Unmut auch gleich dem Kaffeetrinker neben mir gegenüber geäußert. Der wusste nicht, was mein Problem ist. Tststs!

Langsamer ist besser – chili sine…

Evangelische Gedanken zur Fastenzeit – Teil 3

Haben Sie schon einmal Chili con Carne möglichst müllarm gekocht – sozusagen anstatt sine carne –  sine basura? Es ist gar nicht so leicht. Das erste Problem, die Sache mit der Hackfleischverpackung ist leicht zu lösen: man geht zum Metzger. Jeder Mensch, der sich nicht die eigene Tasche lügt und etwas bei Verstand ist, kauft sein Fleisch ja sowieso NICHT bei Aldi. Hackfleisch ist übrigens im lokalen Wurstfachgeschäft meistens einmal in der Woche im Angebot. Die Preise, die man dort bezahlt, sind tatsächlich noch günstiger als in den Discountern. Man muss nicht erwähnen, dass sich dieser zusätzliche Gang auch geschmacklich sehr auszahlt. Ob das Hackfleisch aus der Plastikschale deshalb Wasser zieht, weil es gewässert worden ist, oder weil die Tiere langsam und im Stress gestorben sind, anstatt schnell und ohne Stress (wobei sie in beiden Fällen natürlich am Ende tot sind), weiß ich nicht. Wem es nicht um ein reines Gewissen geht, für den ist dieser geschmackliche Unterschied bei gleichem oder günstigerem Preis wohl ausschlaggebend. Mein persönliches Erfolgserlebnis ist, dass ich beim Metzger meiner Wahl die Großportionen in einer statt in 6 Verpackungen bekomme. Ein voller Müllerfolg!

Das zweite Problem sind Kidney-Bohnen und Mais. Beides gibt es meistens in Dosen aber genau die wollten wir ja vermeiden. Schwierig! Ich habe als Kind der Post-Hippie-Generation viel mit Hülsenfrüchten gespielt und weiß deshalb, dass es sie also auch getrocknet gibt. Eingeweicht und im Dampftopf gekocht, hat sich also auch das Bohnenproblem lösen lassen, bei zugegebermaßen höherem Aufwand. Mein schneeweißes Gewissen war es mir aber wert.

Aber der Mais…! Erstens bin ich sowieso nicht scharf darauf, denn die Arte-Dokumentation über Monsanto hat mich dauerhaft paranoide gemacht in Sachen Mais. Ich will ihn nicht mehr. Ein deutsches Chili kommt leider aber ohne Mais nicht aus… die zweite Option: Maiskolben abschaben. Auch dagegen weigere ich mich. Haben Sie schon einmal 40 Portionen Essen in 90 Minuten gekocht? Ich habe es zweimal getan und kann berichten, dass alleine Hackfleisch anzubraten und Zwiebeln zu schneiden so lange dauert, dass an Maiskolben abzuschaben nicht zu denken ist.

Aber eines Tages habe ich es entdeckt und es war wie Weihnachten. In einem Großmarkt, der nur für Großkunden zur Verfügung steht und für den ich keine Werbung machen will, weil ich ihn für zu teuer halte, gibt es tatsächlich tiefgefrorenen Mais. Ich war über diese Entdeckung so glücklich, dass ich sie einen Tag lang allen, denen ich begegnet bin, erzählt habe. Komischerweise hat sich niemand so sehr gefreut wie ich, aber das hat mich nicht gestört.

Chili sine basura beweist – es ist möglich, mehr zu kochen und dabei weniger Müll zu produzieren. Es beweist auch, dass man mehr nachdenken, länger kochen und mehr herumlaufen muss, um besser mit der Welt umzugehen. Papst Franziskus hat über die fatale Wirkung von zu schnellem Leben gewarnt. Als Evangelische ist er für mich ein Glaubensbruder, der da etwas kluges gesagt hat. Diese Enzyklika (Laudato Si) lohnt es sich übrigens, zu lesen: http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf Sogar Obama hat es getan. Viel Spaß dabei.

Shoppen!

Evangelische Gedanken in der Fastenzeit – Teil 2

Auf einer meiner Einkaufstaschen steht „shop until you drop“. Einkaufen gehört mit zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Im Grunde ist es ganz gleich, wo ich unterwegs bin. Nur die Ramschläden mag ich nicht mehr, seit ich die 30 überschritten habe. Wenn mich jemand auf etwas anspricht (eine neue Brille z.B.), dann ist mein erster Reflex nicht, das Kompliment mit „Oh danke!“ elegant errötend anzunehmen. Stattdessen denke ich kurz nach und flüstere geheimnisvoll „und sie hat mich gar nichts gekostet – mein letztes Geschenk vom Britischen Gesundheitssystem.“ Günstig und gut einkaufen ist meine Leidenschaft und wenn ich mich zwischen beidem entscheiden muss, dann setzte ich den Schwerpunkt auf „günstig“.

Das erste Mal Einkaufen, nachdem wir uns zur Müllreduzierung entschieden hatten, war traumatisch. Wie soll man denn bitteschön an die Kartoffeln und Zwiebeln kommen, wenn sie hinter Plastiknetzen vergittert sind? Schummeln geht ja privat (ich meine, das Gekaufte hinter der Kasse in selbst mitgebrachte Container umzufüllen, und den Müll im Laden zu lassen). Aber so war unsere Müllreduzierungsaktion ja nicht gedacht. Ich liebe Supermärkte, aber es war ziemlich schnell klar, dass manche – selbstverständlicheren Zutaten – hier nach den neuen Regeln nicht mehr zu haben waren.

Glücklicherweise fiel mir ein kleiner lokaler Gartenbaubetrieb ein: die Caritas betreibt in Augsburg eine Gärtnerei als Sozialprojekt. Ich habe schon einmal Kartoffeln selbst angebaut und weiß daher, dass eigentlich jeder ab einem gewissen Alter die Dinger vergraben kann (Kinder unter 3 graben sie ein, aber dann auch gleich wieder aus; so geht das natürlich nicht). Voller Hoffnung fuhr ich also nach Anweisung der netten Dame von Google-Maps auf der schnellsten Route zur Carotte.

Ich habe es noch nie erlebt, dass vor mir, in einem Gemüseladen, die Avocado vom letzten Einkauf reklamiert wurde. Klar, es gibt nicht wenige, die sich bei der Supermarktleitung beschweren, wenn ein Produkt nicht den Standards entsprochen hat. Aber eine Avocado??? Vor mir stand in der Carotte eine Dame, der die Avocado, die sie letztes Mal hier gekauft hatte, nicht frisch genug gewesen war. Ohne zu zögern bekam sie eine neue und ich war sprachlos.

Besagte Dame wollte außerdem noch eine „dicke Stange Porree“. Die Carotte ist eine Gärtnerei und Laden für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten. Die zwei jungen Männer wussten aber ganz genau, was man unter einer „dicken Stange Lauch“ versteht. Da waren sie Experten… ich musste mich sehr zusammen reißen, keinen Lachanfall zu bekommen und weiterhin seriös pastoral zu lächeln, während der junge Mann in der Kiste nach der Dicke der Porreestangen fühlte, eine griff mit dem lasziv gehauchten Kommentar „das fühlt sich gut an!“ und sie der Dame entgegen streckte.

Ich wollte keinen Porree!

Die Kartoffeln waren erste Sahne auch wenn das Abwiegen etwas länger dauerte. Wer hätte gedacht, dass der Verzicht auf Müll einem ein so witziges Einkaufserlebnis bescheren kann?

Ergebnis dieser Übung: einkaufen nach einem „low-waste“-Grundsatz ist lustig und hat mich jedenfalls an einen Ort gebracht, an den ich sonst nicht gekommen wäre. Dabei ging es nicht um eine life-style-Entscheidung, sondern um den gesunden Menschenverstand. Es leuchtet wirklich nicht ein, weshalb das arme Gemüse hinter Plastikgitter gehört. Es hat doch nichts verbrochen!

Macht Essen glücklich?

Evangelische Gedanken in der Fastenzeit – Teil 1

Jeden Tag fahre ich an einem Restaurant vorbei, an dessen Fensterscheibe der Slogan „Iss dich glücklich“ klebt. Ich esse sehr gerne und weiß, dass auf mein kurzes Glück eine länger andauernde Reuephase folgt. Menschen, die körperlich arbeiten, haben es gut: sie können mehr essen als Bürotiere wie ich. Jedes Mal, wenn ich an „Iss dich glücklich“ vorbei komme, denke ich also: „naja… so ganz stimmt das nicht.“

Die sogenannte Fastenzeit nehmen viele zum Anlass, auf etwas zu verzichten. Traditionell geht es um Fleisch und Alkohol. Im katholischen Bayern gibt es sehr interessante Variationen: Ketchupfasten, Fernsehfasten, Lästerfasten… you name it. Die Fastenzeit beginnt 40 Tage vor Ostern. Nur die Sonntage sind vom Verzicht ausgenommen; da darf man dann doch wieder essen, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Mir bekommt es nicht zu fasten. Einmal habe ich es ausprobiert. Es muss daran liegen, dass ich Protestantin bin. Zugegebenermaßen habe ich es übertrieben, wollte wissen, wie es ist, nach ein paar Tagen der Umgewöhnung nur noch Wasser, Saft und vielleicht mal eine Tasse Gemüsebrühe zu trinken. Großer Fehler! Nachts, in der Horizontale hat es mich erwischt: Kreislaufzusammenbruch. Mir bekommt das nicht.

Es ist gute protestantische Tradition, nicht zu fasten. Am 9. März 1522, dem ersten Sonntag der Fastenzeit wurde zum ersten Mal mit der bis dahin herrschenden Tradition der Abstinenz von Fleisch in Zürich gebrochen. Der Drucker, Christoph Froschauer servierte seinen höchst ehrbaren Gästen Würste.

Warum? Weil das Fasten im Neuen Testament nicht angeordnet wird. Alles, was man als Erfindung der Kirche identifizieren konnte, sollte abgestellt werden und Jesus war nicht für den Verzicht; er aß die ganze Zeit mit Freunden und Fremden. Manche nannten ihn einen „Fresser und Säufer“. Die Sache mit dem Fasten hat auch er ausprobiert. Es ging ihm ähnlich wie mir (eigentlich schlechter), denn in der Wüste begegnete ihm beim Fasten der Teufel. Da hatte ich noch Glück.

Essen schafft Gemeinschaft, besonders unter Menschen. Im christlichen Brauch des Abendmahls findet beim Essen und Trinken Tischgemeinschaft von Menschen untereinander und mit Gott statt.

Essen macht also glücklich. Und ich bin glücklich, dass ich nicht einmal aus spirituellen Gründen auf meine Delikatessen verzichten muss.

Weil ich aber Protestantin bin, nagt an mir weiterhin das schlechte Gewissen. Wir sind ja doch eine freudlose Rotte, immer darauf aus, die Welt zu verbessern. Es leuchtet mir ein, dass ich zwei Dinge mit meinem Essen tun kann: es teilen und, durch das, was ich esse, möglichst wenig Schaden anzurichten. Letzteres ist eine spannende Sache, wenn man eine Cafe betreibt. Das tun wir als Studentengemeinde an der Uni Augsburg. Wir haben es deshalb 6 Monate lang gemeinsam ausprobiert, jeden Tag weniger Müll zu produzieren. Natürlich könnte man noch vieles andere ausprobieren, z.B. nur noch vegetarisch zu kochen, oder nur noch lokale Produkte zu verwenden. Es ging aber darum, einen praktikablen Anfang zu machen, den man dann auch durchhalten kann. Diese Art, zu fasten, hat tatsächlich ziemlich viel Anstrengung gekostet und beschränkt sich nicht nur auf einen begrenzten Zeitraum wie die Fastenzeit.

 

Semesterabschluss

Wir haben’s geschafft! Das Semester ist so gut wie überstanden und es war schön (meistens jedenfalls). Am 6.2. feiern wir den Semesterabschluss – erst in der Stephanuskirche um 18 Uhr, dann in der Cafete mit leckeren Broten.

Wer noch Prüfungen hat, der kommt auch auf seine Kosten, denn es geht um „ein neues Herz“ – לֵ֣ב חָדָ֔שׁ  , also Gottes Versprechen eines Herzen, das die richtigen Entscheidungen treffen kann. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, sondern faszinierend und wunderbar.

Studierende, Lehrende und deren Freunde sind sehr herzlich willkommen zu diesem Zwischenstopp.

Ganz anders, als erwartet …

Am 25.2. hatten wir David zu Besuch in der ESG, der uns von seiner Flucht aus dem Iran erzählt hat. In Deutschland bemühen wir uns sehr um den interreligiösen Dialog. David, der wegen seines christlichen Glaubens fliehen musste hat ein Leben in Wohlstand aufgegeben. Man kann verstehen, dass sein größter Schatz nicht nur sein deutscher Pass ist, sondern auch sein Glaube, den er unter Einsatz seines Lebens gerettet hat. Er führt nach wie vor Dialoge mit Muslimen. Es geht ihm aber darum, andere vom christlichen Glauben zu überzeugen. Nach allem, was er erlebt hat, kann man kaum etwas dagegen einwenden, auch wenn die meisten Deutschen kaum das Gleiche täten.

Wie die Könige…

Das neue Jahr beginnt in der ESG traditionell mit dem Neujahrsempfang. Dieses Jahr haben wir mit einer „Vorfeier“ am 7. Januar begonnen. Inspiriert war der Abend davon, dass es Studierende gibt, die leider an Weihnachten nicht nach hause fahren können. So wie die „Weisen“ Gaben dabei hatten, so hatten alle Gäste eine Kleinigkeit mitgebracht. Es war ein schönes Erlebnis, auch wenn sich Weihnachten mit der Familie durch nichts ersetzen lässt.