Q & A

Grundkurs im Wintersemester 2020/21 (Sitzung am 26.11.2020)

Thematische Fragen an Pfarrerin Tabea Baader

Wie viele Gemeinden betreuen Sie?

„Meine Gemeinde“ ist die ESG an der Universität Augsburg, d.h. alle Studierenden, Lehrenden und Angestellten an der Uni, die Angebote der ESG wahrnehmen wollen. Für sie alle machen wir Angebote in der ESG und ich stehe als Seelsorgerin für Gespräche zur Verfügung.

Neben diesem Hauptauftrag bin ich auch Pfarrerin in der Paul-Gerhardt Gemeinde im Hochfeld und halte einmal im Monat einen Gottesdienst in der Stephanuskirche. Ab und zu bin ich auch in anderen Kirchen in Augsburg vertretungsweise zur Unterstützung meiner KollegInnen. Als Pfarrer*in der ELKB gehört es mit zum Auftrag, auszuhelfen, wo nötig.

Wie haben Sie Ihre Zusammenarbeit mit der anglikanischen Kirche (?) empfunden? Ist es in Schottland überhaupt die anglikanische Kirche, welche mehrheitlich vertreten ist?

In Schottland war ich nicht in der anglikanischen Kirche sondern in der Church of Scotland Pfarrerin. Das ist die große reformierte Volkskirche des Landes. Die Gemeindemitglieder fänden es überhaupt nicht gut, mit der anglikanischen Kirche in einen Topf geworfen zu werden 😉

Als Pfarrerin bin ich in Fort Augustus und Glengarry sehr herzlich und offenherzig empfangen worden. Obwohl ich die erste Pfarrerin dort war und noch dazu eine Deutsche haben sich die Gemeindemitglieder sofort auf mich eingelassen. Ich glaube, wir waren uns einfach sympathisch. Das heißt nicht, dass wir immer einer Meinung waren, aber wenn es ein Grundvertrauen zueinander gibt, kann man Probleme ehrlich ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Kann ich als ein Christ, der „Sola Scriptura“ leben möchte, überhaupt Lehrer werden? Was sind Ihre Erfahrungen mit konservativen Sichtweisen, kommt es hier häufiger zu Problemen? Zum Beispiel bei der Vocatio?

Das sind zwei sehr persönliche Fragen, für die ich nur meine persönliche Antwort geben kann, die aber nicht automatisch für andere zu 100 % gelten können. Für mich bedeutet „soll scriptura“ als Prinzip, dass ich selbst die Verantwortung habe, mich mit dem Wort Gottes auseinander zu setzen. Diese Verantwortung kann mir niemand abnehmen und ich kann sie auch auf niemand anderen abschieben. Wenn es Fragestellungen im Leben gibt, für die ich als Christin eine Antwort suche, dann lese ich selbst in der Bibel und zwar nicht nur in einer deutschen Übersetzung, sondern ich schaue auch in den griechischen Text im Neuen und in den hebräischen Text im Alten Testament. Die Meinungen anderer berücksichtige ich auch, wenn ich dann noch Artikel oder Bücher zum Thema lese. Die höchste Autorität hat aber immer die Heilige Schrift und mein lebenslanges Bemühen, sie richtig zu verstehen. 

Ein guter Religionslehrer/eine gute Religionslehrerin bringt meiner Meinung den Schüler*innen im gleichen Sinn bei, selbstständig zu werden, also ihnen möglichst viel Motivation und Information mitzugeben, dass sie sich selbst auf ihren eigenen Weg mit der Heiligen Schrift machen. Deshalb ist für mich „sola scriptura“ kein Widerspruch zur Aufgabe von Lehrer*innen, sondern die Vermittlung dieses Prinzips gehört für mich als Grundbestandteil mit zum Beruf eines Religionslehrers/einer Religionslehrerin. Lehrer*in zu sein heißt nicht, zu indoktrinieren, sondern anzuleiten zum eigenständigen Denken, Entscheiden und Handeln.

Mit Konservativen Sichtweisen bin ich aufgewachsen. Es gibt in der Ev.-luth. Kirche ein großes Spektrum von sehr konservativ bis sehr liberal, weil die Evangelisch lutherische Kirche in Bayern eine sehr große Landeskirche ist. Meine Gemeinde in Schottland war übrigens auch sehr konservativ. Ich persönlich würde mich eher zu den liberalen Christen zählen. Ich bin aber froh, dass so viele verschiedene Meinungen gibt, denn nur, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, kommt ein interessanter Austausch zustande. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Gespräche mit Menschen, die Theologie und Religion komplett ablehnend gegenüberstehen finde ich deshalb auch sehr wichtig.

Konservative oder humanistische Sichtweisen werden meiner Meinung da problematisch, wo sie Gruppen pauschal verurteilen oder abwerten. Man kann zwar nicht sagen, dass das unbiblisch wäre, denn im Alten und Neuen Testament wird klar zwischen „Freund“ und „Feind“ unterschieden – Gott ist immer auf der Seite der Guten und unterstützt sie in jeder Hinsicht. Manchmal führt das zu furchtbaren Vernichtungen, wie bei der Sintflut oder dem Untergang von Sodom und Gomorra und auch diejenigen, die im Gericht nicht bestehen, haben laut Neuem Testament (Mt 25) keine Chance auf Ewiges Leben. 

Als Christin ist es mir aber ein Anliegen, hier nicht wahllos in irgendwelche Vorstellungen einzustimmen, sondern hier gelten für mich die Prinzipien „solus Christus“ und „soll gratia“. D.h. die Frage ist immer, wie Jesus in einer bestimmten Situation von der Gnade Gottes gesprochen hat. Das Beeindruckende finde ich ist, dass Jesus niemanden abgelehnt hat, sondern sich die Mühe gemacht hat, sich mit den schwierigsten Menschen auseinanderzusetzen, sich um sie bemüht hat und so das getan hat, was wir heute als „Versöhnung“ bezeichnen. Es gab einmal das Motto in der ESG „offen für alle, aber nicht für alles“. Das gilt für meinen Umgang mit konservativen Christ*innen.

Persönliche Fragen an Pfarrerin Tabea Baader

Wollten sie schon immer Pfarrerin für Studierende werden? Bzw. wie kamen sie dazu?

Nein. Ich fand den Pfarrberuf meine Schulzeit über äußerst unattraktiv. Dadurch, dass mein Vater Pfarrer ist, habe ich zuhause auch eine Menge Gemeindeleben mitbekommen. Ich fand das alles schön und auch inhaltlich spannend, aber selbst Pfarrerin zu werden war mir zu verstaubt und schmuddelig.

Nach der Schule habe ich dann ein FSJ in einem Kinderheim in Berlin gemacht. Da ist mir klar geworden, dass in dieser Aufgabe, Pfarrer*in zu sein, eine tolle Grundaufgabe steckt: es geht darum, miteinander Christsein zu leben. Mit dem Evangelium wird das Leben zwar nicht einfacher, aber besser; deshalb habe ich diesen Beruf damals im Laufe meines Studiums für mich neu entdeckt. Ich könnte mir heute keine bessere Aufgabe mehr vorstellen.

Was waren die Höhen und Tiefen in Ihrem Studium? Was waren besonders ermutigende Erlebnisse?

Theologie zu studieren fand ich großartig. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr damit aufhören. Je länger ich studiert habe, desto spannender ist es geworden, fand ich. Eine sehr wertvolle Erfahrung war für mich mein Studienjahr in Chicago. Dort habe ich einen M.A. gemacht. An der Kirchlichen Hochschule, an der ich war (LSTC), war akademisches Arbeiten immer in der Praxis verankert. Nach dem Übersetzen eines Textes wurde z.B. die Frage gestellt, wie wir das jetzt nächsten Sonntag predigen würden. Diesen Brückenschlag zwischen wissenschaftlichem Arbeiten und Pfarramt immer wieder zu machen war eine gute Übung, weil sie mir gezeigt hat, dass alles, was ich Studium lerne, später in der Praxis relevant ist. 

Was macht den Beruf als Pfarrerin für Sie zu etwas Besonderem?

In Bayern wird großer Wert auf das gründliche theologische Studium gelegt. Das ist im weltweiten Vergleich keine Selbstverständlichkeit sondern eher die Ausnahme. Ich bin sehr froh, dass ich ein so gutes und gründliches Studium als Grundlage für meinen Beruf bekommen habe. Außerdem finde ich, dass wir als Pfarrer*innen, ähnlich wie Lehrer*innen eine gute Anstellung mit großen Sicherheiten haben. Beides, die Bildung und die stabile Organisation im Hintergrund, sind zwar keine „großen Knaller“, aber sie sind, wenn man sich andere Kirchen anschaut, schon besonders.

Inhaltlich ist der Beruf als Pfarrerin von sehr viel Gestaltungsräumen geprägt. Man braucht viele Ideen, um als Gemeinde zusammen oder manchmal auch alleine den Leuten das Evangelium näher zu bringen. Kunst, Musik, Literatur, Architektur und manchmal ganz einfache Verwaltungsvorgänge spielen da oft eine Rolle.

Zweifeln Sie manchmal an Ihrem Glauben?

An meinem Glauben an Gott habe ich noch nie gezweifelt. Vielleicht liegt das daran, dass ich schon als Kind sehr viel an biblischen Geschichten mitbekommen habe und immer Fragen stellen durfte. 

An Menschen verzweifle ich oft, aber das liegt vermutlich daran, dass ich nur ungern Kompromisse mache und eher zu hohe als zu niedrige Ansprüche habe.

Welche Rolle spielt die Bibel in Ihrem alltäglichen Leben?

Sie ist mein Lieblingsbuch, in dem ich Gott immer wieder neu entdecke, das gilt für das Alte und für das Neue Testament. Ich lese sie immer wieder, manchmal auch ganze Bücher der Bibel am Stück. Natürlich ist die Bibel nicht nur das Heilige Buch der Christen, sondern das Alte Testament ist auch für Juden ein großer Schatz. Dass ich in den letzten Monaten mit Juden in Augsburg ins Gespräch über ihre wöchentlichen Lesungen gekommen bin, ist eine neue unglaublich wertvolle Entdeckungsreise für mich.

Damit die Bibel für mich lebendig wird, muss ich mich über sie mit anderen unterhalten oder sie im Gottesdienst vorgelesen bekommen. Die Heilige Schrift wird für mich dann zum Wort Gottes, wenn sie verkündigt wird.‚

Wie gehen Sie mit kritischen Anfragen an Ihren Beruf um? Trifft Sie das oder sind Sie da abgebrüht?

Sich selbst zu hinterfragen, finde ich wichtig, auch wenn es anstrengend ist. Die meisten großen Gestalten der Bibel mussten erst von anderen bzw. von Gott von ihrem Auftrag überzeugt werden. Das galt für Mose, der meinte, er wäre als Redner nicht gut genug, für David, von dem alle meinten, er wäre zu jung, für Maria, die vom Engel Gabriel überredet werden musste, den Retter der Welt hervorzubringen und Jesus selbst wurde auch sein ganzes Leben lang von den Pharisäern infrage gestellt. Er hat sich den Anfragen aber regelmäßig gestellt und diskutiert.

Ich weiß, dass es andere Modelle der Gemeindeleitung gibt, denn das habe ich ja in den USA selbst erlebt. Dass wir aber als große Kirche alle Kosten durch die Kirchensteuer gerecht verteilen und dadurch sehr viele Leute, die (noch) nichts/ nichts mehr oder nur sehr wenig haben, trotzdem Mitglieder sein können, ist meiner Meinung nach sehr biblisch. Bei uns dürfen auch diejenigen mit dabei sein und bekommen die gleiche „Behandlung“ wie diejenigen, die viel zur Gemeinde beitragen können. 

Es gibt schon Situationen, in denen ich merke, dass ich abgebrüht reagiere. Wenn das passiert, dann ist meistens Zeit für einen Urlaub, denn weil ich mit Menschen arbeite, will ich nicht dickhäutig sein. 

Stadtführung zum Mitmachen

  1. Gemeindeabend am 17.10.2019, 18-21 Uhr

Die erste Semesterwoche hat mit Semesterstart und Karaoke begonnen. Bei unserem ersten Gemeindeabend erkunden wir die Innenstadt. Treffpunkt ist die Straßenbahnhaltestelle „Universität“. Von dort geht es per Tram/Rad zum Roten Tor.

Zu sehen sind als erstes die Wassertürme. Elegant erheben sie sich über die Stadt. Sie sind umgeben von einer Mauer, damit auch im Kriegsfall niemand an sie herankommt.

Passend zum Thema „Wasser“ gibt es Badetipps für den Sommer: die vier schönsten Badestellen in Augsburg.

Nur ein paar Meter weiter gehen wir vorbei an der Augsburger Puppenkiste, ursprünglich einem Familienbetrieb mit jederzeit transportfähiger Puppenspielausstattung.

Auch, wenn wir auf auf festem Untergrund laufen, wissen wir durch den Start an den Wassertürmen, dass unter uns Kanäle verlaufen. Im Spickel kann man besonders schön sehen, wie sie durch die Gassen fließen.

Augsburg ist voller Sehenswürdigkeiten und Geschichten. Eine davon ist die Sage von den Sieben Kindeln, von der es noch eine Marmorplatte als Anhaltspunkt gibt. Die Sage ist eine Erinnerung daran, dass das Leben auch in schwierigen Zeiten ein wertvolles Geschenk ist.

Am Brechthaus schreiben wir Gedichte und tragen sie vor. Das ist der Bonus, wenn GrundschullehrerInnen so eine Führung organisieren. Es klappt auch erstaunlich gut!

Als wir ans Rathaus kommen, ist es schon fast dunkel. Von außen sieht man den Goldenen Saal hell erleuchtet. Leider hat die Dunkelheit die Stadtgöttin Cisa auf der Rathausspitze schon verschluckt.

Den Rathausplatz lieben die Augsburger. Es ist nicht einfach, sich vorzustellen, dass es diese Lücke zwischen den Häusern gar nicht gab, als das große Rathaus gebaut wurde. Es war, wie die Fuggerhäuser, Teil der prächtigen Fassaden der Maximilianstraße.

Auf und abwärts der Maximilianstraße gibt es viel zu sehen. Nicht nur großartige Brunnen, sondern tagsüber auch ruhige Hinterhöfe, die Oasen in der Stadt sind.

Der Abschluss ist St. Anna und der Annahof. Es ist dunkel und der Madrigalchor ist durch die offenen Fenster des Augustanasaales zu hören. Wieder ist es zu spät, um sich alles Sehenswerte anzusehen: die Goldschmiedekapelle, die Lutherstiege und das Anna Cafe. Wer zurück kommt und es sich ansieht, der kann Mittags auf dem Stadtmarkt günstig und gut essen.

Nach zwei unterhaltsamen Stunden haben wir viel gesehen obwohl es noch so viel mehr zu entdecken gäbe. Jetzt ist aber genug. Als Merkzettel gibt es noch eine „to-do-Liste“ mit einigen Aufgaben, die jetzt noch unbedingt gemacht werden sollten.

Im Thalia beenden wir den Rundgang mit einem leckeren Essen.

Endlich mitsingen können…

Der Liederabend zum Mitsingen war eine Gelegenheit, etwas über Jiddische Kultur aus Litauen zu erfahren. Vielleicht hat es manche überrascht, dass neben dem gut bekannten „Schalom Alechem“ auch ein Spiritual wie „When Israel was in Egypt’s Land“ hörbar wurde. Jede Kultur und Religion hat ihren eigenen Zugang zur Geschichte der Rettung. „Gott kann Israel nicht alleine retten. Er braucht Mose dazu“, sagt Yoed Sorek.  Dann singen wir und denken an alle, die in unserer Gesellschaft unter Sklaverei leiden.

Auch Lieder, die üblicherweise am Schabbat gesungen werden, lernen wir. Es geht um Engel, die die Menschen begleiten. Manche sind gut, andere eher „furchtbar“.  Beim nächsten Besuch in der Synagoge, bei dem wir als Christen immer Gäste und Zuschauer bleiben, werden wir etwas besser verstehen und mitsingen können.

Wo ist unser Igel hin?

Beim Einwintern der Wiese haben wir nach unserem Igel gesucht. Letztes Jahr hatte er sich im Parkplatz verirrt. Hope, der ESG-Hund, hat ihn gefunden. Sobald das kleine stachelige Tier wieder Wiese unter den Pfoten hatte, ist es weggelaufen gerannt.

Wir haben heute nach ihm gesucht: beim Heuhaufen umsetzen waren wir vorsichtig, dass wir ihn nicht aufspießen. Aber da war er nicht. Beim Salbeipflanzen an der Mauer zum Parkplatz war von ihm auch keine Spur. Auch auf der Wiese und am Beet, das jetzt wieder abgedeckt ist – nichts!

Vielleicht locken ihn im nächsten Frühling die neuen Heideblumen an, die wir heute gesäht haben und die hoffentlich aufgehen. Und falls er sich einmal im Winter verstecken muss, dann steht ihm eine Wand aus Zweigen zur Verfügung.

Er bleibt jedenfalls unvergessen!

Apfelernte

Am Samstag, den 20. Oktober war zum zweiten Mal Apfelernte:

„Auf Bäumen herumkraxeln heißt den Boden zu verlassen auf dem wir uns alltäglich befinden. Das spürt man im Kopf, man denkt anders dort oben und es wird leicht ums Herz. Darüber hinaus erntet man die saftigsten frischten Äpfel, mit denen wir heuer in großer Fülle beschenkt wurden. „

Morgen ist Apfelstrudelkochkurs:

Der König der Mehlspeisen – Apfelstrudelkochkurs

ESG-Cafete, 18 Uhr

Wer sich einmal einen Apfelstrudel selber gemacht hat, wird nie wieder zum Tiefkühlprodukt greifen. Wir benötigen für die Vorbereitung eine gute Stunde Zeit. Wie lange es schließlich dauert, hängt vor allem von der Zahl der Apfelschnipsler ab. Während der Strudel im Backrohr brät, schauen wir den Film „Das Wunder von Mals“ an, der vom Kampf einer Südtiroler Gemeinde gegen den Pestizideinsatz im Apfelanbau erzählt. Etwa ab 20:30 Uhr lassen wir uns den Strudel schmecken, der in dunklem Bier seine ideale Begleitung findet. Anmeldung bis 23.10. erbeten

Georgien, Montag 8.10.18, letzter Aufenthaltstag

Heute steht uns der Tag zur freien Verfügung. Nach unserem gewohnt reichlichen Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Markt. Nachdem wir die ersten Andenken erstanden haben, außerdem Gewürze und getrocknete Kräuter, besucht der weibliche Teil unserer Gruppe – die Männer können sich für Schmuck nicht begeistern – das umfangreiche Angebot im „Golden Markt“ und werden natürlich fündig. Einige von uns präferieren anschließend den Gemüsemarkt und die Fleischhalle andere möchten lieber neue Schuhe ihr eigen nennen, was auch tatsächlich gut gelingt. Reichlich Frischgemüse und viele unterschiedliche Obstsorten auf dem Markt sollen, appetitlich drapiert, zum Kauf anregen. Oftmals unbekannte Sorten lassen wir uns erklären und testen sie. Geduldig versuchen Markfrauen immer wieder Käufer/innen für ihre mühsam geernteten Pepperoni z. B. zu finden. Diverse Artikel, Kräuter, Tees und Gewürze finden unser Interesse und überzeugend erklärt kaufen wir ein. Alles mögliche kann man hier finden: Grundnahrungsmittel, Hülsenfrüchte, Frischfisch, aber auch jede Menge Fleischwaren wie Schweinsköpfe, Innereien oder Suppenhühner und ähnliches füllen die Tische und Theken. Ein wahrer  „Lebensmittelbasar“ wie man sich einen Basar vorstellen möchte.

Zufrieden mit den jeweiligen Errungenschaften machen wir uns auf den Heimweg um uns nach einer kurzen Stärkung erneut ins Großstadtgetümmel zu stürzen, diesmal jedoch mit kulturellem Schwerpunkt.

Doch zuvor nutzen wir die Gelegenheit der Pause und des Beisammenseins uns bei unserer vorzüglichen Reiseführerin Nino mit einem kleinen Geschenk, das wir zuvor im Schmuckmarkt erworben haben, zu bedanken für all die hilfreichen Tipps und Informationen, mit denen sie uns den Aufenthalt in ihrer Heimat so angenehm hat erleben lassen. Herzlichen Dank Nino.

Wir nehmen die Sailbahn von der Talstation Funikular hinauf zur Narikala-Festung mit ihrer unübersehbaren riesigen Statue „Mother Georgia“ und genießen die großartige Aussicht über die Stadt. Wir lassen den Botanischen Garten links liegen und schlendern den steilen Burgweg hinab. 

Während einer kurzen Rast im kleinen Cafe Carpe Diem bewundern wir die Fahrkünste der georgischen Autofahrer. Gekonnt erklimmen sie die steile Straße und schlängeln sich durch die schmalen Gassen, die bei geparkten Fahrzeugen kaum Platz zum Durchkommen lassen.

Während die Hälfte unserer Gruppe die Altstadt direkt ansteuert, macht die andere Gruppe einen Umweg durchs Bäderviertel, das bereits gestern im Dunkeln zu einem erneuten Besuch bei Tageslicht einlud. Malerisch plätschert ein Bächlein vom Fuße des Wasserfalls durch die Schlucht der Feigen, am Orbelani-Bad, „den Schwefelbädern“ vorbei in den Hauptfluss Mtkwari. Die beleuchteten stattlichen Gebäude erstrahlen in der Dämmerung noch imposanter als am Tag. Unsere fast letzten Lari wollen wir im historischen Kellermarkt und den kleinen Straßenläden der Altstadt ausgeben, was uns fast gelingt.

Von unserer Stadtbesichtigungstour doch etwas erschöpft nehmen wir uns heute ein Taxi zurück zur Unterkunft, denn morgen müssen wir sehr früh – besser gesagt nachts um 3:30 Uhr Ortszeit – aufmachen Richtung Flughafen, leider!

Der letzte Tag einer eindrucksvollen Reise neigt sich dem Ende.

Etwas melancholisch tauschen wir noch unsere Eindrücke aus um dann noch ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen.

Sonntag, 7. Oktober: Gottesdienst mit Überschlag

Der Sonntag beginnt entspannt mit einem späten Frühstück und machen uns sonntagsfein. Eine kleine Delegation geht in den römisch-katholischen Gottesdienst um 10 Uhr in englischer Sprache (eine von vier Sprachen, in denen dort Gottesdienste gefeiert werden; englisch, georgisch, polnisch und lateinisch). Da die Liturgie wie zu hause ist, ist es einfach, dem Gottesdienst zu folgen.

Die anderen laufen dann vorbei an interessanten Marktständen zur Peace Cathedral. Dort treffen wir uns und beginnen ein echtes Gottesdienstabenteuer.

In der Peace-Cathedral werden wir herzlich von der baptistisch-georgischen Gemeinde empfangen. Nino ist hier zu hause. Tabea wird von den drei Bischöfen als Liturgin mit eingeschlossen und bekommt eine blaue Robe mit Stola. Dann beginnt der Gottesdienst.

Manche Rituale und Lieder kennen wir bereits aus den Gottesdiensten in Ojio und Gori. Es ist ein lebendiger Gottesdienst, in dem die Gemeinde durch liturgische Antworten aktiv beteiligt ist. Die Musik ist eine Mischung aus scheinbar orthodoxer Musik und Taize-Liedern. Die Predigt hält Bischöfin Rusudan Gotsiridze. Es geht um die Frage, wer Jesus bzw. Gott für uns ist und wie sich unser Gottesbild verändert.

Die Abendmahlsliturgie hat Bischof Malkhas auf der Grundlage von Johannes Chrysostomus entwickelt. Besonders beeindruckt uns, dass er barfuß celebriert und Weihrauch großzügig zum Einsatz kommt (das Weihrauchfass hat wunderschöne Glocken und die Konsekration endet mit einem Überschlag). Alte Liturgie wird lebendig ausgelebt. In ökumenischer und interreligiöser Offenheit wird jeder willkommen geheißen. Dieser Ort ist ein Ort, der frei ist von Hass. Der Gottesdienst endet mit einem dreifachen Wangenkuss.

In der Peace-Cathedral übergeben wir auch den Ziegelstein, den wir aus St. Anna mitgebracht werden. In der Peace-Cathedral wird als eine Gegenreaktion auf religiösen Hass nicht nur eine Synagoge, sondern auch eine Moschee in den Gottesdienstraum mit eingebaut. Mit unserem ungewöhnlichen Geschenk wollen wir unsere Unterstützung zum Ausdruck bringen, sowohl als Individuen, als auch als Menschen, die aus der Friedensstadt kommen. Übernächstes Jahr, 2020, soll alles fertig sein. Bischof Malkhas zeigt uns auch die Bibliothek. Wir verabschieden uns, nicht ohne Pläne für die Zukunft gemacht zu haben. Es wird ein Wiedersehen geben.

Nach dem Gottesdienst stärken wir uns bei einem späten Mittagessen, das wieder neue kulinarische Horizonte erschließt.

Die verbleibende Zeit bis 18 Uhr nutzen wir zur Stadtbesichtigung und zum Museumsbesuch. Es gibt viel zu sehen über Kolchis, große Mengen an Goldschmuck, archäologische Schätze des Landes, aber auch eine hervorragende Ausstellung über die Unabhängigkeitsbewegung in Georgien und die Besatzungszeit.

Der Tag geht zu Ende. Wir sind müde und erfüllt von den ungewohnten Eindrücken.

Samstag, 6.10. (Wanderung in den Bergen um Gori)

Die Morgentoilette ist die erste logistische Herausforderung für unsere Gruppe; doch bis 7.30 Uhr haben es alle geschafft, und unser Gastgeber steht mit einem opulenten Frühstück vor der Tür. Besonders lecker sind die mit Marmelade gefüllten Gebäckstücke.

Um halb 9 Uhr holt uns ein Kleinbus ab und wir starten zu unserer Wanderung in die Berge in der Gegend von Gori. Wir treffen dazu Bischof Malkhas mit einer interreligiösen Gruppe von jungen Leuten aus seiner Gemeinde nebst einigen Gästen.

Während der Fahrt auf der Autobahn durch das Tal der Kura taucht der eisbedeckte Gipfel des Kasbek auf. Über Feldwege, vorbei an einem malerischen See, schaukeln wir empor zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Es ist eine echte Genusstour: wir laufen auf dem Grat eines langgesteckten Bergrückens, meist leicht bergab, der Ausblick geht rundum in weite Ferne; auf der einen Seite hinunter in das wilde Flusstal der Kura, des längsten Flusses Georgiens, der sich hier sein Bett ungebändigt selber sucht, auf der anderen Seite hinüber zu den schneebedeckten Fünftausendern. Kühe weiden auf dem vertrockneten Steppengras, und bei jedem unserer Schritte schwirren Grillen und Heuschrecken auf, letztere mit wunderschön blau und orange gefärbten Flügeln. Und sogar eine Gottesanbeterin lässt sich von uns fotografieren.

Zur Brotzeit teilen wir uns den mitgebrachten Proviant. Bischof Malkhas spendiert Granatapfelwein.

Der Höhenzug, auf dem wir so friedlich dahinwandern, markierte  im russisch-georgischen Krieg vom August 2008 das weiteste Vordringen der russischen Invasionstruppen. Hier und da sind noch die Trichter von Granateinschlägen zu sehen.

Und ganz am Ende der Wanderung der unerwartete Höhepunkt. Wir betreten eine aus Sandsteinfeld geschlagenen Hohlweg: das Tor der alten Höhlenstadt Uplistsikhe. Überall türmen sich hangabwärts riesige von den Gletschern zu bizarren Formen geschliffene Sandsteinfelsen auf, die zum Herumklettern und Springen verlocken. Weiter zum Fluss hin folgt ein Labyrinth von in den Fels geschlagenen Häusern, Kirchen und Magazinen. Zum Fluss Kura führt ein langes niedriges und steiles Felstunnel hinaus.

Während wir auf unserer Wanderung keinem Menschen begegnet sind, wimmelt es hier von Besuchern. Wir nehmen uns im Kiosk noch Wasser mit und fahren dann in eine Gastwirtschaft, um zusammen mit unseren neuen Freunden den Tag mit einem Gastmahl abzuschließen. Wir immer mundet das Essen vorzüglich. Mit den obligatorischen Trinksprüchen haben wir inzwischen Routine: Gaumarjus!

Tag 4: Freitag, 05.10.2018

Früh am Morgen hieß es heute Abschied nehmen von Ninos Familie und Ozhio. Ausgestattet mit einem leckeren Frühstück, das wir im Auto gegessen haben, ging es auf eine abenteuerliche Fahrt nach Tiflis. Der gleiche Kleinbus, der uns bereits am frühen Mittwochmorgen vom Flughafen abgeholt hat, brachte uns nun wieder dorthin – dieses Mal bei Tageslicht. So konnten wir die wunderschöne georgische Landschaft sehen und die Fahrt über die Berge genießen. Bis auf 1650m ging es. Im Gegensatz zur ersten Fahrt nach unserer Ankunft, wurde heute eine neue Technik ausprobiert, wie das Gepäck transportiert werden kann: auf dem Dach. Diese abenteuerliche Konstruktion, bei der die Koffer allein durch ein paar dünne Seile befestigt waren, erwies sich tatsächlich als stabil und trotzte den unebenen Straßen und den Ausweichmanövern unseres Fahrers. Besonders in Tiflis ist Autofahren eine Kunst und benötigt Mut, Durchsetzungsvermögen und vor allem Gottvertrauen. Überholt wird prinzipiell immer und Lücken werden konsequent genutzt.

Nachdem wir in Tiflis unser Gepäck in die neue, wunderschöne Unterkunft gebracht haben, ging es weiter nach Gori. Dort wurden wir von der örtlichen Baptisten-Gemeinde empfangen und feierten gemeinsam das Abendmahl. Besonders schön war es, als während des Abendmahls ein Taizé-Lied gesungen wurde, wie schon beim Gottesdienst am Mittwoch. Die Brüder von Taizé bezeichnen ihre Musik oft als „Musik der Einheit und des Friedens“. Diese Beschreibung bekommt hier eine ganz reale Bedeutung. Die Musik verbindet nicht nur die verschiedenen Konfessionen, sondern auch Kulturen und vor allem Sprachen. Jeder kann das Lied in einer Sprache singen die er kennt und so am Gottesdienst teilnehmen. Die Gemeinde in Gori kümmert sich um die Armen der Stadt und hat eine Suppenküche. Nach dem Gottesdienst wurde der Raum also umgebaut und es gab eine wärmende und nährende Mahlzeit für die Armen, die bereits am Gottesdienst teilgenommen hatten. Eine solche Armut kennt man aus Deutschland nicht. Menschen, die zwei Mal alles verloren haben und für die die staatliche Hilfe bei Weitem nicht ausreicht. Im Anschluss wurden wir zum Essen bei der Pastorin der Gemeinde eingeladen, gemeinsam mit der Bischöfin, die den Gottesdienst gehalten hat. Hier zeigte sich einmal mehr die georgische Gastfreundschaft. Es war sehr lecker und wir sind sehr dankbar für alle Gaben!

In Gori haben wir engagierte und couragierte Frauen getroffen, die sich für ihre Nächsten und die Armen einsetzten. Die andere Seite dieser Stadt haben wir gesehen, als wir ein Kriegsmuseum besuchten und das Geburtshaus von Stalin sahen. Letzteres wurde nach seinem Tod mit einem großen Pavillon überbaut. Es ist erschreckend zu sehen, wie die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus und dem Kommunismus abläuft – auch wenn die Aufrechterhaltung „alter Zeiten“ dem Tourismus dienen mag. Auf der einen Seite wird das Gedenken an Stalin aufrecht erhalten, auf der anderen Seite haben wir die Menschen getroffen, die unter dem Konflikt mit Russland bis heute leiden und oft alles verloren haben.

Auf der Fahrt von Gori nach Tiflis konnten wir einmal mehr die schöne Landschaft genießen. Diese ist gezeichnet von vielen Bergen. An einer Stelle konnte man sogar die weit entfernten, schneebedeckten Berge des Kaukasus sehen. In unserer neuen Unterkunft angekommen haben wir uns für die kommenden Tage eingerichtet und freuen uns auf das, was uns noch erwartet.

Ojio

4. Oktober

Heute ist schon Donnerstag. Oh Mann … wie schnell die Zeit läuft.

Den Tag haben wir mit einem ungewöhnlichen Frühstück begonnen: Warmer Buchweizen mit kalter Gemüsesoße und als Nachtisch Wassermelone. Diese war so saftig und süß! Richtig lecker.

Schon bald darauf sind wir zu einem Spaziergang in der Umgebung aufgebrochen. Wir haben die Weinberge angeschaut und haben etwas über die Arbeit und den Verdienst erfahren.

Als nächstes wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und fuhren nach Gremi. Der Ausblick von der Festung/Kirche war wunderschön. Wir sind in das dortige Museum gegangen und bis in den Turm hoch. Auf dem Weg nach oben konnten wir das aus dem 16. Jahrhundert stammende Klo betrachten – sehr zugig wegen der zwei Fenster.

Die Geschichte der Königin, die als Märtyrerin starb und wegen ihres Glaubens an Jesus Christus starb, ist beeindruckend und zugleich erschreckend traurig.

Weiter ging es in die Stadt Telawi. Zunächst entspannten wir uns bei Kaffee und selbst hergestelltem Traubensaft, Bier und Chatchapouri, um daraufhin die Stadt etwas genauer zu besichtigen.

Wir haben das Schloss von Erekli II von außen betrachtet, wobei die Außenmauern gigantischer und eindrucksvoller wirkten, als das Schloss selbst.

Am Abend konnten wir bei Ninos Nachbarn erleben, wie man Brot selber backt und zwar auf eine ganz besondere Art und Weise. Ein Behälter in Form eines „Brunnens“ wurde von innen erhitzt. Es wurde ein Feuer in ihm entzündet. Als nur noch die Glut auf dem Boden übrig war, wurde der Teig an die Innenwände „geklatscht“, bis er durch die Hitze fertig gebacken war. Danach wurden die Brote von der Wand gelöst und waren fertig zum Verzehr.

Auf dem Hof waren lauter Hasen und Hühner, die frei herumliefen, auch kleine Babyhäschen, die man auf dem Arm streicheln konnte.

Nach diesem Erlebnis haben wir mit der Familie lecker zu Abend gegessen. Der Tisch war wieder reichlich gedeckt.